"Gott hat gut lachen"

Zeitschift für Gottesdienst und Predigt 2/2013
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"Freude ist der Puls meines Lebens."

Auszug aus einem Interview mit ERF Online:

„Freude ist der Puls meines Lebens.“

ERF Online:
Herr Schulz, Sie sind ein Kirchenclown. Wodurch unterscheiden Sie sich von einem „normalen“ Clown?

Steffen Schulz:
Ich würde den Clown nicht in eine Kategorie einordnen, denn ein Clown ist zeitlos, raumlos und geschlechtslos. Er lebt in den Momenten, in denen er atmet, durch die Gegend schaut, oder sich den Wind durchs Haar streifen lässt. Unabhängig davon, ob er ein Kirchenclown, Zirkusclown oder ein Klinikclown ist. Trotzdem nenne ich mich Kirchenclown, um damit einzuordnen, wo ich anzutreffen bin.

ERF Online:
Die Ausdrucksformen der Freude sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich: Die einen schmunzeln höchstens, die anderen wiederum betonen Freude in einem Übermaß, sodass sie sich kaum noch mit realen Problemen auseinandersetzen. Welche Freude meint Paulus, wenn er in Philipper 4,4 schreibt: „Freuet euch in dem Herrn alle Wege, und abermals sage ich euch: Freuet euch!“?

Steffen Schulz:
Ich denke, Paulus geht es um das Evangelium, das eine frohe Botschaft ist. Er möchte damit sagen: „Hey Leute, lebt aus der frohen Botschaft Jesu Christi. Er hat uns erlöst.“ Wenn wir schwierige Phasen im Leben haben, dann müssen wir sie ertragen. Gerade dann können wir aber gewiss sein, dass wir eine frohe Botschaft haben, auf die wir hören können und die uns trägt. Mir gefällt der Spruch: „Wohin mich mein Weg führen wird, ich weiß ich bin nicht allein, ich habe Jesus Christus an meiner Seite.“ Darüber freue ich mich.

ERF Online:
Freude ist - genauso wie Barmherzigkeit oder Sanftmut - eine Charaktereigenschaft, die Christen anstreben sollten. Kann man denn Freude mit Humor gleichsetzen?

Steffen Schulz:
Humor entfacht Freude und wo Freude herrscht, da pulsiert das Leben. Der Clown veranschaulicht das gut. Er ist nicht kopflastig, sondern sehr körperbetont. Bevor er auf andere Menschen zugeht, horcht er in sich selbst hinein. Da rauscht es gewaltig. Halten Sie auch einmal Ihre Handflächen auf Ihren Ohren und überzeugen Sie sich selbst davon. Wenn Clown Leo zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte erzählt, erlebt er sie gleichzeitig mit jeder Faser seines Körpers. Das kann sehr komisch aussehen und löst Lachen aus. Mit Kirchenclowns wird humorvoll die Lebensfreude und die Freude am Glauben entdeckt.

ERF Online:
Sie schreiben in einem Text von Ihnen: „Humor und Glaube, oder besser: der humorvolle Glaube ist für mich lebensbejahende Gnade.“ Was meinen Sie damit?

Steffen Schulz:
An dieser Stelle zitiere ich gerne Papst Johannes XXIII: „Glaube ist die Heiterkeit, die von Gott kommt.“ Wenn wir glauben, dann ist es etwas Heiteres. Wir können mit Freude und mit Heiterkeit an Gott glauben, weil wir durch Jesus Christus erlöst sind. Das ist für mich lebensbejahende Gnade.

ERF Online:
Neben der Heiterkeit des Glaubens, von der Sie gerade gesprochen haben, sagt Jesus aber auch zu seinen Jüngern in Matthäus 10,38: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein.“ Ganz ehrlich: Das hört sich für mich nicht gerade nach Freude an. Oder?

Steffen Schulz:
Das Kreuz Jesu zu schleppen, wäre tatsächlich ein schweres Los. Es ist jedoch nicht auf unser Kreuz übertragbar. Ich höre diesen Satz von Jesus so: „Wenn ihr erlöst sein wollt, dann geht mit mir den Weg der Nächstenliebe und geht hinaus in die Welt und lehrt was ich geboten habe. Mir nachfolgen heißt, liebt euch wie ich euch liebe.“ Das Kreuz und die Liebe stehen eng beieinander. Der Weg, den wir mit Jesus gehen, ist ein Weg der Liebe und der Barmherzigkeit. Für mich heißt da: Tue etwas für die Geschöpfe, die um dich herum sind. Sei freundlich zu dir und deinen Mitmenschen. Und wenn ein Lächeln zurückkommt, ist es ein ganz leichtes Kreuz und nicht das schwere, das Jesus nach Golgatha trug.

Humor in der Kirche

Gedanken zu Humor in der Kirche - die Fragen stellte die Hamburger Theologin Ivy Lohff, August 2011

Ist Humor „nur" eine besondere menschliche Begabung, eine Art Veranlagung oder Geisteshaltung oder auch ein Charisma? Gibt es einen speziell "christlichen" Humor?

Humor ist meines Erachtens eine Gabe (Gottes), eine Gnadengabe, also ein Charisma. Können wir als (Christen-) Menschen diese Gabe anwenden wird sie zur Begabung. Noch ein Gedanke zu Humor: Dieser ist wohl der Sinn für Komik. Ich habe einmal bei Wikipedia nachgeschaut, was Komik bedeutet. Dort steht: „Grundsätzlich kann über Komik gesagt werden, dass sie Erwartungshaltungen durchbricht. Die überraschende Konfrontation mit Missverhältnissen oder -verständnissen zeitigt unwillkürliches Lachen.“ So betrachtet ist die Bibel voller Humor!

Der Heilige Geist und Humor, wie geht das zusammen?

Gottes Geist wirkt in Charismen, in Gnadengaben wie den Humor. Sie gehören also zusammen: der Heilige Geist und der Humor. Mit Michael Beintker* gesprochen, ist der Humor wohl die köstlichste Gabe des Geistes. Dem kann ist nichts mehr hinzufügen.
*Professor am Seminar für Reformierte Theologie der Universität Münster

Fallen Dir spontan Predigten oder Prediger ein, die Humor transportieren?

Ein Prediger fällt mir ein: Unser Altbischof Prof. Axel Noack, heute in Halle an der Saale lebend. An konkrete Predigten erinnere ich mich nicht, aber er ist in seiner Art und Weise des Predigens einer, der zum Schmunzeln anregt, einer, der mit einer Prise Humor und mit biblischem Blick aus dem Leben erzählt. Auch Pfarrer Klemens Niemann, Lutherstadt Eisleben - klemensniemann@googlemail.com - fällt mir ein. Er darf gerne darauf angesprochen werden. Im Internet „begegnete“ mir Frau Ursula Homann mit ihrem Aufsatz: „Das Christentum und der Humor“ - www.ursula homann.de. Hier nennt sie einige Theologen wie Bultmann, Barth, Jepsen, denen Humor und Theologie, humorvoller Glaube wichtig war/ ist. Auch schrieb Pfarrer Peter Bloch ein wunderbares Buch namens „Der fröhliche Jesus“. Sehr empfehlenswert!

Humor in der Seelsorge, wie und auf welchen Gebieten kann er wirksam sein?

Zur Seelsorge gehört neben der Predigt (siehe oben) auch das Gespräch. Dieses wird in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen geführt. In ihnen gilt es, angemessen zu agieren. Meist ist das Zuhören wichtiger als das Zureden. Doch auch z.B. in Trauergesprächen kann durchaus - so sich die Gesprächspartner kennen und es der Lebensalltag des Verstorbenen preisgab - an humorvolle Situationen oder an einen Lieblingswitz etc. erinnert werden. Ein Witz darf in einem solchen Fall dennoch nicht das Trauern verletzen oder ad absurdum führen. Es geht eher um erlösendes Lachen. Seelsorge hat den Schmerz und die Fröhlichkeit im Blick. Mein Kindheitspfarrer sagte immer wieder mal zu mir, wenn ich mich ärgerte: „Steffen, ertrag es mit Humor.“ So hat weinen seine Zeit und lachen hat seine Zeit, wie eine biblische Weisheit (Prediger Salomo) es formuliert. Bertolt Brecht hält es in seiner Theorie und Praxis des epischen Theaters so: Weine mit den Weinenden, lache mit den Lachenden - eine Grundhaltung auch in der Seelsorge, solange sie authentisch bleibt. Und zu guter Letzt verhilft die Titelzeile des Monty Python Song „Always look on the bridge side of life“ - das Leben von der heiteren Seite betrachten, über manch Lebensverdruß hinweg. Überdies soll lachen gesund machen, so eine viel zitierte Aussage.

Du möchtest durch Deine Arbeit Menschen zum Lachen bringen. Wird in der Kirche genug gelacht? Oder ist die Christenheit immer noch oder immer wieder zu ernst? (Nietzsche - Vorwurf). Siehst Du Gründe für die Abwesenheit von Humor und Lachen in den Gemeinden?

Wo Clown Leo zu Gast ist, wird gelacht. Ob sonst auch gelacht wird, entzieht sich auch meiner Kenntnis. Ich möchte dennoch davon ausgehen. Sonst würden die Gottesdienstbesucher/ Rezipienten wohl nicht ihrer Fröhlichkeit bei meinen Besuchen Ausdruck verleihen.

Gemeinhin habe ich dennoch den Eindruck, dass unser christliches und gottesdienstliches Leben nicht als humorvolles wahrgenommen wird und werden kann. Wie auch? Besucht man als Außenstehender einen Gottesdienst, muß er feststellen, dass z.B. unsere Liturgie keinen Humor zuläßt. Warum sollte Liturgie auch humorvoll sein? Meditationen - Liturgie ist für mich eine Mediation - haben einen wiederkehrenden, besinnlichen Charakter. Doch die Außenwirkung bleibt. Und wir Christen geben uns, wenn wir fröhlich und heiter glauben, ja auch unseren Gegenübern (meist) nicht als Christen zu erkennen. Mancher Zeitgenosse könnte auch denken, ernsthaft und heiter glauben, schließen sich aus. Was ist Ernsthaftigkeit? Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit meine ich. So schließen sich ernsthaftes und heiteres glauben nicht aus.

Es gibt eine Fülle von Anekdoten-, Witz-, und Schmunzelbüchern über den religiösen/christlichen Humor. Welche Kriterien legst Du bei derartigen Publikationen an?

Ich mag Witze, wenngleich ich mir kaum einen merken kann und als Clown auch keine erzähle. Ein Witz muß für mich originale Eigenheiten, eigentümliche Merkmale, gepflegte Muster, menschenimmanente Lebenssituationen im Fokus haben und dem Hörer so eine Art Spiegel sein - Selbstreflexion. So wie der Narr der Spiegel/ Spiegelhalter seines Gegenübers ist. Ein Witz darf nicht verletzen, sondern sollte dazu anregen, über z.B. das eigene Verhalten oder die eigene Geisteshaltung nachzudenken und lädt zu einem befreienden Lachen ein. Ein Beispiel: Dem Pfarrer werden andauernd Früchte aus dem Garten gestohlen. Er stellt ein Schild auf: "Gott sieht alles!" Am nächsten Tag steht darunter: "Aber er petzt nicht!"

Hier werden die oben genannten Kriterien in aller Kürze und Bestimmtheit angewendet. Im ersten Satz nimmt dieser Witz unser menschliches Verhalten (in diesem Fall eine Unrechtmäßigkeit) in den Blick. Im Zweiten setzt der Pfarrer kreativ das um, was wir von ihm erwarten: Er verhält sich gemäß seines Ordinationsvorhaltes, er verweist auf ein christliches Gebot. Und Gott wird im dritten Satz das zugeschrieben, was wir uns von ihm erhoffen. Nämlich, dass er zu uns hält, auch wenn wir Fehler machen. Seiner Vergebung können wir Menschen gewiss sein. Deshalb vertrauen wir uns ihm auch an.

"Gedanken zu Clown Leo"

Gedanken zu Clown Leo - die Fragen stellte die Hamburger Theologin Ivy Lohff, August 2011

Wie bist Du darauf gekommen, ein kirchlicher Clown zu werden?

Einfach nur ein Clown wollte ich werden. Dazu hatte ich Lust! Obgleich ich nicht wußte, welche Tiefe dieser Beruf mit sich bringt. Und an eine religiöse, christliche, kirchliche Dimension habe ich schon gar nicht gedacht. So habe ich mir also die Kirchenclownerie nicht ausgewählt, wenngleich mein erster Auftritt am 6. Februar 1999 zu einer Veranstaltung des CVJM Halle (Saale) war, also in einer kirchlichen Einrichtung. Die besonderen Aufgaben im Leben bekommt der Mensch wohl meist übertragen. Im Frühjahr selbigen Jahres fragte mich Superintendent i.R. Günter Buchenau, ob ich - ein ganz normaler Christ und ein ganz normaler Clown - mit ihm einen Gottesdienst gestalten könne. Am 20. Juni 1999 wurde dann aus Clown Leo Clown Leo, der Kirchenclown, dessen „Vater“ Günter Buchenau heißt.

In dem bibel-tv –Gespräch hast Du von Deiner christlichen Sozialisation berichtet. Wie hast Du Dich im Studium der Bibel und in der Theologie weiter gebildet?

Das Studium der Bibel besteht für mich im Lesen der Bibel. Diese immer wieder in die Hand zu nehmen und sinn-voll zu rezipieren, ist das eine des Sich-bildens. Der Theologie als Wissenschaft habe ich mich, meinem persönlichen Wissensdurst über das eigene Sich-bilden hinaus, in einem Studium am Kirchlichen Fernunterricht gewidmet. Zudem ist mir der Austausch über das Bibelwort wertvoll.

Welche Theologie liegt Deine Clownsauffassung respektive Deinen Themen zugrunde?

Meiner Clownsauffassung liegt wohl keine konkrete mir bewußte Theologie zugrunde. Wenngleich ich eine große Ähnlichkeit, eine Wesensgleichheit grundlegender Eigenschaften Gottes und die eines Clowns feststelle: Zeitlosigkeit, Geschlechtslosigkeit, Raumlosigkeit, Ubiquität. Gott ist; der Clown ist. Sie sind einfach da.

Meine Clownsfigur erzählt biblische Geschichten. Clown Leo ist ein Erzähler, der seine zu erzählenden Geschichten gleichsam im Vollzug erfährt, erlebt. Die Themenauswahl entsteht aus der Lust und Freude, lebensnahe, biblische Geschichten weiterzutragen. Als Christenmensch möchte ich mit einem Augenzwinkern vom Glauben erzählen. Mit der Clownsfigur als Mittel gelingt es mir irgendwie authentischer. Womöglich weil eben der Clown in jedem steckt und somit eine gemeinsame, geistgewirkte Sprache die Beziehung zwischen dem Publikum und dem Clown prägt. Doch der Clown ist nicht das Mittel zum Zweck. Das Tun und Lassen eines Clowns sind im Grunde immer zweckfrei. Der Clown ist eben einfach nur da, im Hier und Jetzt. Und in dem Hier und Jetzt kann sich eine zu erzählende Geschichte ergeben. Ich als Christenmensch habe eine Sicht auf die Dinge, der Clown kennt diese Sicht nicht.

Was könnte die Theologie, die Lehre von Gott im Bezug auf den Clown sein?

Wenn es eine Theologie der (gewaltlosen) Befreiung im Blick auf die ungelebten Emotionen gibt, wenn es eine Theologie der humorvollen Botschaft gibt, wenn es eine Theologie des Tragischen und Komischen gibt, wenn es eine Theologie der reduzierten und zugleich einer klaren nicht unterm Scheffel gehaltenen Verkündigung gibt, dann könnten all diese Theologien die Summe sein, die eine clowneske Auffassung bezeichnen.

Hast Du Vorbilder für die Figur Deines Clowns?

Vorbilder für meine Clownsfigur habe ich nicht. Jedoch schätze ich sehr die Arbeit von Charlie Chaplin, auch wenn er in einem anderen Metier (Film) und ohne rote Nase unterwegs war. Auch er arbeitet z.B. mit reduzierter (Clowns-) Kleidung. Seine Mimik und Gestik sprechen eine großartige Sprache.

Welche Botschaft möchtest Du durch Dein Spiel den Zuschauern vermitteln?

Als Steffen Schulz habe ich eine Botschaft, nämlich meine Freude an der Schöpfung und am Evangelium weiterzugeben. Der Clown hingegen kennt keine Botschaften, kann aber durch sein Dasein zum Botschafter werden. Meine Clownerie ist im Grunde mit einem plastischen Kunstwerk zu vergleichen. Der Künstler, der es erschuf, vermag sich dabei etwas gedacht zu haben, das Kunstwerk hingegen kann nur durch sich selbst wirken.

Siehst Du die biblische Botschaft, enthalten in den unterschiedlichen Themen Deines Repertoires, als Äquivalent für Predigten, also für die Wortverkündigung oder als eine wichtige Ergänzung an?

Sowohl als auch. Meine Programme sind im Grunde narrative Predigten. Dennoch kann diese Form der Predigt nur eine unter vielen sein. Das Wort Gottes an uns ist das geoffenbarte, das geschriebene und das gepredigte (auch gespielte) Wort wie auch der Glaube an Gott nicht nur eine Sprache kennt.

Was kann ein Kirchenclown besser sagen, verkündigen, vermitteln als der sonntägliche Kanzelprediger, die Pastorin?

Ob ein Kirchenclown etwas besser sagen kann weiß ich nicht. Das müssen die Rezipienten entscheiden. Und diese werden sehr wahrscheinlich sehr unterschiedlich antworten, je nach Alter, Geschlecht, (momentanen) Erfahrungs- und Erlebenshorizont. Ein Kirchenclown kann Anzusprechendes anders sagen, da er nicht in menschlichen Analysen, Kategorien, Gegebenheiten denkt. Bestenfalls wirkt seine Sprache universal.

Welche Tabus, welche Grenzen respektierst Du in Deinen Aufführungen?

Ein Clown kennt keine Tabus. Er kennt keine Ratio. Doch ich als Steffen Schulz habe Tabus, Grenzen. So sind für mich die Menschen und die Räume für die und mit denen bzw. in denen ich spiele heilig. Das heißt, ihnen gegenüber habe ich Ehrfurcht, sie sind Könige und Königreiche, denen ich diene.

Die Rezeption Deiner Arbeit ist sicher nicht immer zustimmend, wie gehst Du mit Kritik und Ablehnung um?

Zu meiner clownesken Seligkeit kann ich sagen, daß ich Ablehnung im Grunde nicht erlebe. Schließlich werde ich ja in Gemeinden und zu kirchlichen Veranstaltungen eingeladen, die meine Arbeit wertschätzen. Jetzt könnte ich vermuten, dass alle Gemeinden, die mich bisher nicht eingeladen haben, diese Art der Verkündigung, diese Art der Kunst nicht mögen. Das will ich aber nicht (vermuten).

Bist Du nur für das Lachen der Christen zuständig oder auch für ernste Themen?

Der Clown ist jemand, der jede emotionale Regung auslebt. Ihm sind ernste, traurige und freudige „Themen“ bestens vertraut. Und: Es gibt für den Clown keine kognitiven Gründe, das eine oder das andere auszublenden. All meine „Programme“ „behandeln“ „ernste“ „Themen“: u.a. Die Schöpfung, Jesus, Matthäuspassion in denen man lachen kann.
Lachen ist für mich ein Zustand, der eine größere Wachsamkeit und Aufnahme ermöglicht. Und lachen befreit. Lachen ist ein Ausdruckt über die Freiheit seiner selbst. So wird auch nur an Stellen gelacht, die scheinbar mit der Lebenswirklichkeit des Zuschauers zu tun haben.

Jeder Clown hat ein unverwechselbares Profil. Welches ist Dein persönlicher „Fingerabdruck“ in Sachen Humor und Glaube?

Mein Fingerabdruck? „Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn.“ Diese Zeile aus dem Lobgesang der Hanna im 1. Buch Samuel 2,1 ist mir als Steffen Schulz wie auch als Clown Leo wichtig. Das Leben kennt traurige und freudige Augenblicke. Dem Clown sind sie genauso nahe wie mir selbst. Humor und Glaube oder besser: der humorvolle Glaube, bei dem es um das wissende Lachen geht, sind/ ist lebenbejahende Gnade. Zudem reizt mich die Gradwanderung, der ich mich beim Spielen aussetze, wenn ich emotional in die in den Clownstheaterstücken vorkommenden Figuren schlüpfe und doch Clown Leo bleibe.
Das unverkennbare inhaltliche Profil ist sicher, dass ich im Grunde nur biblische Programme im Repertoire habe. Einzig ein Clownstheaterstück über den Christen Georg Friedrich Händel ist frei von biblischem Spiel.